„In Göttingen während des Studiums habe ich einmal einen alten Türken getroffen. Der hat gesagt, die Deutschen seien das Volk der großen Taten und der kleinen Seelen.“
„Und er hatte Recht!“, sagte Tilla.
Hermann schloss die Augen, atmete ein und wieder aus. „Ja“, sagte er. „Vielleicht hatte er Recht.“


Hermann Oberth

Links bezüglich Buch, Autor und Verlag führen zu unentgeltlichen Werbezwecken auf die Verlagsseite.
Das Buch wurde von dtv als Leseexemplar zur Verfügung gestellt.
Meine Meinung ist nicht vom Verlag beeinflusst.

Originalsprache | Setting – Siebenbürgen, Deutschland, Österreich, Amerika – 1899 bis 1969
Hardcover – Schutzumschlag – Lesebändchen | 283 Seiten | Nachwort & Danksagung

Ich habe im Sommer Die Erfindung des Countdowns vor dem offiziellen Erscheinen lesen dürfen und möchte euch das auf gar keinen Fall vorenthalten. Meiner Meinung nach haben wir da Potenzial zu einem möglichen Buchpreis.
Daniel Mellem hat sein Werk über einen umstrittenen deutschen Physiker bei dtv veröffentlicht.

Hermann Oberth lebt vor dem ersten Weltkriegs als Siebenbürgener Sache in Siebenbürgen und sieht sich als Deutscher. Doch die Folgen des ersten Weltkriegs machen ihn offiziell zu einem Rumänen und damit für die Deutschen zwischen den beiden Weltkriegen zu einem Ausländer, den sie nicht zwingend in ihrem Land wollen.
Hermann hat seit Kindertagen erstaunliche Ideen und einen brillianten Kopf, mit dem er aber immer wieder gegen Wände läuft. 
Er ist eine streitbare Person, die sich im Laufe seines Lebens von einem aufgeklärten Wissenschaftler zu einem nationalistisch, rassistischen, verblendeten Mann entwickelt, den noch nicht mal seine lebensfrohe Frau wieder erkennt.

Mich hat vor allem schockiert, wie nah die Thematik des Buches an den heutigen Diskussionen ist. Was darf man sagen und was sollte man sagen. Wer definiert die Identität der Deutschen und wie definieren wir uns selber. Sollten wir nach etwas streben, des Strebens willen oder sollten wir eher nach unserem Herzen leben. Was sind die Tugenden und Werte, die wir aus der Vergangenheit mitnehmen dürfen und was sollten wir in der Vergangenheit lassen.
Dieses Buch gibt keine politische Meinung vor und bewertet auch Oberths Leben nicht, dieses Buch ist ein Apell daran, sich immer eine Meinung zu bilden und zu seiner Meinung zu stehen. Ein Apell daran, die Vergangenheit nicht zu vergessen und niemals etwas einfach so geschehen lassen!

© Bogenberger Autorenfotos
Autorenfoto von der dtv Verlagsseite

Daniel Mellem lebt in Hamburg und studierte Physik. Das Studium schloss er mit einer Promotion ab, bevor er sich seinem allerersten Roman widmete.
Für seinen ersten Roman wurde er bereits vor erscheinen ausgezeichnet.

Mehr über Daniel Mellem können wir vielleicht demnächst auf seinem frischgebackenen Instagram-Account entdecken.


„Es geht hier vor allem auch darum, die Öffentlichkeit für die Raumfahrt zu gewinnen. Da sind zwei Dinge besonders überzeugend. Das Eine davon ist Humor.“
„Und das andere?“, fragte Hermann.
Von Braun zog sein Einstecktuch heraus und tupfte sich damit die Stirn ab. „Angst.“


Die Erfindung des Countdowns kann ich nur wirklich jedem ans Herz legen. Ein nachdenkliches, nüchternes Buch über eine schwere, politisch brisante Zeit und eine streitbare Persönlichkeit des damaligen Lebens.


Mein Lieblingszitat aus dem Buch ist aus dem Nachwort.

Oberths Leben war voller Sehnsüchte und voller Verfehlungen. Dieser Mensch war nirgendwohin entglitten, in kein Morgen, keine Zukunft, keine ferne Galaxie – er hatte mit beiden Beinen in einer Welt gestanden, in der Nationalismen und Ressentiments herrschten. Als Siebenbürger Sache hatte er um seine Identität als Deutscher gerungen, er hatte mit den Nazis sympathisiert, hatte sich auch antisemitisch geäußert ja, er hatte sogar Hitler persönlich seine Rakete als Waffe angeboten. Seine Idee war nicht einfach missbraucht worden – er selbst hatte sie missbraucht.


Ella

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