Kompass ohne Norden

Es gibt sie, diese Bücher, die einen von der ersten Seite einnehmen. Nicht weil die Geschichte etwas Neues ist, sondern weil sie echt ist. So ein Buch ist Kompass ohne Norden.

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Neal Shusterman kennt man eher von grossen Fantasyreihen. Doch dieses Buch ist ein ganz persönliches. Denn er beschreibt die Geschichte seines Sohnes, der als Jugendlicher an Schizophrenie erkrankt. Schizoaffektive Störung nennt man es in der Medizin. Doch was bedeutet das eigentlich?

Die Geschichte

In dem Buch begleiten wir Caden in seine Gefühls- und Gedankenwelt. Schnell merkt man, dass er schon in der Krankheit gefangen ist. Er leidet unter Verfolgungswahn und behauptet, Mitschüler wollen ihn umbringen. Als seine Eltern merken, dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimmt, schicken sie ihn zu einem Psychiater. Doch nachdem die Gespräche dort nicht helfen, kommt er in eine Klinik. Es ist ein langer Weg, auf dem wir Caden begleiten. Er findet Freunde, macht Fortschritte, erlebt Rückfälle, muss mit Verlust umgehen und jeden Tag aufs Neue gegen eine heimtückische Krankheit kämpfen, die ihm eine völlig verdrehte Wirklichkeit aufzwingt.

Die Illustrationen

Im Laufe des Buches tauchen immer mal wieder Zeichnungen auf, meist sind es sehr ausdrucksstarke, wenn auch chaotische Bilder. Diese sind Originalzeichungen von Shustermans Sohn aus seinen Krankheitsphasen. Sie verdeutlichen nochmal mehr, dass er in seiner eigenen Wirklichkeit lebt und die Krankheit ihm eine völlig falsche Realität vorgaukelt. Es war teilweise sehr beklemmend diese Zeichnungen zu sehen, aber sie machen das Buch nochmal echter.

 

Was ich aus dem Buch mitnehme

Mir persönlich hat das Buch die Krankheit Schizophrenie verständlicher gemacht. Sie ist so viel komplexer und tiefgehender, als nur das Stimmenhören, was man so aus Erzählungen kennt. Ich selbst habe mal jemanden kennengelernt, der schizophren war, aber was das wirklich hieß, wusste ich nicht. Jetzt kann ich das Verhalten der Person damals besser nachvollziehen.

Wieso mich das Buch so berührt hat

Das Buch enthält so viele tolle Passagen, die das Leben mit einer psychischen Erkrankung wundervoll exakt beschreiben. Ihr fragt euch wie ich die Worte „wundervoll“ und „psychische Erkrankung“ in einen Zusammenhang bringen kann? Ich litt selbst jahrelang an einer und hätte mir damals gewünscht, ich hätte meine Gefühle so ausdrücken können. Oder hätte etwas ähnliches gelesen, um zu sehen, dass ich nicht alleine bin damit. Ich habe mich in vielen Passagen selbst wiedergefunden und wünsche mir, dass dieses Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hat. Um psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren und sie Betroffenen wie auch Nicht-Betroffenen näher zu bringen.

Für mich ist Kompass ohne Norden ein Jahreshighlight und ein Buch, was mich noch lange lange beschäftigen wird. Ich finde es unfassbar mutig von Neal Shusterman, die Geschichte seiner Familie und seines Sohnes so mit uns zu teilen.

Kati

 

Verlagsinformationen

Titel Kompass ohne Norden
Originaltitel Challenger Deep
Autor Neal Shusterman
Verlag Hanser
Einband Gebunden
Seiten 352

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2 Gedanken zu “Kompass ohne Norden

  1. Das klingt toll. Ich finde es super, dass solche Themen immer mehr Platz in der Literatur bekommen und so auch Nichtbetroffene einen besseren Einblick bekommen. Gerade bei Schizophrenie finde ich das wichtig, weil ich immer noch oft höre, dass Leute das mit multiplen Persönlichkeiten verbinden und das gehört ja gar nicht zusammen.

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