FragenFreitag: Warum kosten Bücher überall gleich?

 

 

Heute ist Freitag. Wie ihr sicher alle wisst. Ab heute startet eine neue Reihe. Der FragenFreitag. An jedem Freitag widmen wir uns einer Frage zum Thema Buch oder Buchhandel. Gerne eure Fragen, wenn ihr sie uns im Blog oder auf Twitter hinterlasst.

Heute ist der erste Tag und wir starten mit DER Frage überhaupt. Die Frage, die man am häufigsten hört und die man immer wieder beantworten darf.

 

 

Warum kosten Bücher überall gleich??

 

 

Da gibt es eine simple einfache Antwort. Auf Grund des Buchpreisbindungsgesetz. Doch wer weiß schon, was das ganz genau bedeutet.

Seit dem 01. Oktober 2002 ist das Gesetz in Kraft und hat die Buchwelt verändert oder der Buchwelt zumindest eine Gleichheit beschert. Wer sich den Inhalt direkt ansehen will, für den habe ich hier den Gesetzestext von der Seite Gesetze im Internet. Für alle anderen erkläre ich das in kurzen knappen Worten.
Es heißt, dass der festgesetzte Buchpreis von jedem Händler eingehalten werden muss und nicht wahllos verändert werden kann.

 

 

Es gilt der Schutz des Kulturgutes Buch

 

 

Was bedeutet das überhaupt? Kulturgut Buch? Im groben erklärt, heißt das nichts anderes, als dass der festgesetzte Preis das Buchangebot erhöht und nicht einfach ein großes Unternehmen die Preise drücken kann. Außerdem schützt es die kleinen Buchläden, die unter diesen Umständen weiter Bücher verkaufen können, ohne von großen Unternehmen ausgespielt zu werden.

 

 

Musiknoten, kartografische Produkte zählen auch als Bücher

 

 

Was haben Musiknoten und Karten mit Büchern zu tun? Richtig, sie fallen auch unter dieses Gesetz. Auch sie werden gehandelt wie Bücher. Es gibt noch mehr Dinge, die unter dieses Gesetz fallen, aber das solltet ihr lieber im Gesetzestext nachlesen, falls es euch interessiert. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass fremdsprachige Bücher auch darunter fallen, sofern sie für den deutschsprachigen Raum entwickelt und gedruckt werden. Ein Klett Textbuch eines englischen Romans zum Beispiel fällt unter die Preisbindung, weil die Ausgabe für den deutschen Markt gemacht ist, das englische Original fällt nicht unter die Preisbindung.

 

 

Ausnahmen der Regel?

 

 

Ja es gibt Ausnahmen. Und zwar sehr viele. Da wird es trickreich.
Nur ein Beispiel: gebrauchte Bücher, beschädigte Bücher, fremdsprachige Bücher.
Wichtig ist auch zu wissen, dass dieses Gesetz nur für den Verkauf an den Endabnehmer, sprich an den Leser gilt. Unter den Händlern, Zwischenbuchhändlern und Verlagen werden andere Konditionen gehandelt. Wer zu dem Thema eine Frage hat, darf die gerne stellen, dann werden wir uns diesem Thema in einer anderen FreitagsFrage widmen.

 

 

Was passiert im Ausland?

 

 

Bestes Beispiel Österreich. Auf vielen deutschen Büchern steht der österreichische Handelspreis mit auf dem Buch. Der Grund? Österreich ist ein der Hauptabnehmer deutschsprachiger Bücher. Warum es in Österreich mehr kostet? Bei uns in Deutschland werden auf Bücher nur ermäßigte 7% Mehrwertsteuer berechnet, in Österreich ist der ermäßigte Steuersatz höher. Nämlich bei 10%. Das wird von den Verlagen freundlicher Weise ausgerechnet und direkt mit drauf gedruckt. In Österreich gilt im übrigen die Buchpreisbindung schon seit 2000.
Betrachten wir es anders herum. Wir importieren fremdsprachige Bücher? Da gilt keine Preisbindung. Daher kann man gut und gerne vergleichen, wer welches Buch für welchen Preis verkauft. Das Thema können wir auch gerne aufnehmen, wenn es jemanden interessiert.

 

Sind eure Fragen beantwortet? Habt ihr noch anderes, was euch auf dem Herzen liegt? Dann immer her damit. Über die Kommentare, per Mail oder einfach auf Twitter. Wir beantworten jede Frage zum Thema Buch oder Buchhandel.

 

Ich hoffe, wir könnten ein kleines bisschen wissen spenden und Fragen klären.
Bis nächsten Freitag.

 

 

Ella

 

15 Comments

  1. Huhu!
    Aber… Ich habe 1995 meine Ausbildung zur Buchhändlerin angefangen, und da gab es die Buchpreisbindung schon lange? Ich habe so im Hinterkopf, dass uns damals in der Buchhändlerschule beigebracht wurde, die gäbe es schon seit dem 19. Jahrhundert.
    Ich glaube, was du hier ansprichst, ist nicht die Einführung der Buchpreisbindung an sich, sondern die Umstellung von einer vertraglichen Regelung per Sammelrevers zu einer gesetzlichen Regelung?
    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!
    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka 🙂 Danke für deinen Kommentar.
      Ja bei mir ging es nur um die Gesetzeseinführung nach der alle Verlage verpflichtet sind, Verkaufspreise für die Bücher festzulegen.
      Da die Sammelrevers zum heutigen Zeitpunkt nur noch freiwillig weiter geführt werden, hielt ich eine Erwähnung für zu detailliert, da sie offiziell seit 2002 außer Kraft sind und sie nur den Zweck hatten, die Händler vertraglich zu binden, damit das Kartellamt nicht einschreitet. Da aber das Gesetz von 2002 diese Aufgabe übernimmt, habe ich die Sammelrevers bewusst weg gelassen.
      Aber du hast Recht der Vollständigkeit wegen, müssten die Regelungen vor dem BPrG dazu.
      Ich werde darüber nachdenken den Abschnitt zu erweitern. 🙂
      Vielen Dank für die Anregung und dass du so aufmerksam gelesen hast.
      Da ich noch (naja vielleicht auch nicht mehr ganz) Jungbuchhändler bin, kann ich nur aus der heutigen Situation berichten. 🙂
      Danke für die Verlinkung ♡
      Liebe Grüße,
      Ella ♡

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  2. Pingback: [Blogsafari] Würmchen auf Abenteuerreise – September 2017 – Wurm sucht Buch
    1. Da hast du natürlich Recht, das habe ich eindeutig falsch ausgedrückt. In Österreich gilt auf Bücher der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 10% und da in Deutschland ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7% gilt, sind die Bücher teurer. Ich habe das als Importkosten bezeichnet, was natürlich falsch ist. Danke für den Hinweis. Werde ich sofort ändern 🙂

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      1. Wir wollen mit dem FragenFreitag ein bisschen Licht in das Dunkel bringen 🙂 Vielleicht auch ein bisschen Eigentherapie, weil man im Alltag den meisten Kunden und Lesern das nicht so ausführlich erklären kann, wie sie es eigentlich bräuchten, um nicht beim nächsten Mal das gleiche zu fragen 😉 Wenn du eine Frage hast, die Lesern näher gebracht und beantwortet werden soll, dann gerne her damit 😉

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      2. Ohh ja das kenne ich auch 🙂 Das wäre ein witziges Spin-Off für Weihnachten 🙂 Ich lese mich mal in die rechtliche Situation ein, vielleicht bekomme ich da wirklich einen Beitrag zusammen 😉

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